Fitness

Motivation & Selbstliebe: Mach dir deine Fitnesswelt, wie sie dir gefällt

3. November 2018

Fitness?

Ich weiß nicht… 

Ich bin nicht schlank genug. 

Mein Bauch ist nicht flach. 

Meine Arme sind zu dick.

Die da sieht besser aus.

Die da kann mehr.

Die lachen mich doch alle aus.

Ich laufe nicht gern, muss ich aber, weil Cardio Fett verbrennt. Hab ich gehört.

Ich schaffe es eh nicht.

Ich gehöre nicht hier hin.

Resignation. Rückzug. 

Kommen dir diese Gedanken bekannt vor?

Mir auch. Ich möchte deshalb versuchen, dir mit diesem Beitrag ein Umdenken zu ermöglichen und aus negativen Gedanken positive zu machen. In der Psychologie nennt man das Reframing. Warum ich das für wichtig halte? Um Selbstbewusstsein aufzubauen. Dadurch Selbstliebe kennenzulernen. Frei zu werden. Und schließlich: Glücklicher – das, was am Ende immer zählen sollte.

Weißt du, als ich mit 20 zum Fitness kam, habe ich gedacht, ich müsste besonders dünn sein. Um als sportlich wahrgenommen zu werden, um dazu zu gehören. Zu den vielen Mädels in meinen Bodyweight-Fitnesskursen an der Uni oder zu der Clique meines damaligen Freundes, weil alle um ihn herum wahnsinnig schlank waren. Fett gab es nicht mal an ihren Steaks. Ich war der festen Überzeugung, dass ich erst dann ein „Fitnessmensch“ bin, wenn mein ganzer Körper nach hartem Training aussieht. Disziplin innen und außen oder ich bin raus. Verloren. Unglücklich.

Mit ungefähr 23 – nach der Trennung von dem Freund (und seiner coolen Clique) – kam ich zum Krafttraining. Weil ich es nie geschafft hatte, so dünn wie die besagten „tollen“ Mädels zu sein, sah ich hier meine Chance: (fettfreie) Muskelmasse. Ich merkte schnell, dass ich physiologisch / genetisch ein Typ für schnellen Muskelaufbau bin (Körpertyp: mesomorph) und auch relativ schnell stärker und kraftvoller werde. Wenn ich also schon nicht dünn sein kann, dann wenigsten durchtrainiert ohne Ende.

Ich machte alles richtig, indem ich mich für Krafttraining entschied. Es machte wahnsinnig viel Spaß und ich genoss mich mit Hanteln und auch mal Bodyweight, also einem sehr variablen und intensiven Training, auszutoben. Ich wurde besser, selbstbewusster, mutiger. Ich machte dabei nur einen Fehler: Ich schaute viel zu sehr nach links und rechts. 

Alle Bilder: Niki Romczyk 

Unsicherheit. Gedankenkarussell. 

Ich habe zu viel Fett über meiner Muskelmasse. 

Man sieht meine Bauchmuskeln nicht.

Meine Arme schwabbeln. 

Die da sieht besser aus. 

Die denken bestimmt, ich hätte mein Leben nicht unter Kontrolle. 

Die denken, ich sei undiszipliniert. 

Ich bin undiszipliniert.

Ich bin nicht gut genug. 

Ich muss härter trainieren. 

Weniger essen. 

Ich lege also meinen Fokus auf meine Optik, um dazu zu gehören.

Negative Gedanken, negative Folgen 

Jahrelang dachte ich, ich sei nur dann ein „Fitnessmensch“, wenn ich den vermeintlich fitten Menschen in der Werbung, den Fitnessmagazinen, bei Youtube und so weiter nacheifere und so werde wie sie. Ich wollte in dieser Gruppe so sehr wahrgenommen und akzeptiert werden, dass ich alles versuchte, um körperlich perfekt zu werden. Ihr kennt die komplette Geschichte – sie steht in meinem Buch, in dem ich meine lange, wirre Reise zu mir selbst erzähle.

Kurz vorgespult: Ich fuhr damit voll gegen die Wand. Psychisch, physisch: kaputt und so weit von mir selbst entfernt wie der Mond von der Erde. 

Auf diesem Weg hatte ich vieles verloren, nichts gewonnen. Mit einer Ausnahme: Dass ich heute weiß, was ich meinem früheren Ich gesagt hätte, um ihm einiges zu ersparen. Ich kann die Vergangenheit nichts ändern, aber vielleicht eure Zukunft beeinflussen. 

Geh deinen Weg 

Fitness ist so viel mehr als die körperliche Ebene. Fitness ist, was DU daraus machst und darin hat niemand anderes etwas zu sagen oder zu entscheiden. Es geht immer nur darum, welcher Weg DIR gut tut. Frage dich: Was mag ich und womit fühle ich mich wirklich wohl? Welche Sportart, welche Bewegungen, welche Übungen? Zu welcher Tageszeit? Wie oft in der Woche? Frage dich: Macht es mich gesund und stark oder schwächt und überfordert es mich? Worauf kann ich mich jedes Mal uneingeschränkt freuen, was macht mir hingegen Angst?

HÖRE DIR ZU und beantworte die Fragen, vor denen du immer geflüchtet bist. 

Entferne dich von dem Gedanken, dass du Sport zur Veränderung deines Körpers betreiben musst. Warum? Weil du dir selbst die Lust daran nimmst und womöglich hauptsächlich Frust und Abneigung empfindest. Nach einer anfänglichen Motivations- und Erfolgsphase erfolgt ein absolutes Tief und du gibst auf. Wenn du Sport aber eine positive Konnotation gibst, also deinem Geist sagst, es ginge um IHN und darum, dass du dich insgesamt wohler, gesünder, entspannter und was auch immer du willst fühlst, wird er „Sport“ mit „mein Freund“ assoziieren. Wenn du sagst: Ich MUSS Sport betreiben, um endlich schlank zu werden, wird er „Sport“ mit „Feind“ assoziieren. Denn dein Geist will nicht, dass du seine Hülle veränderst, es beutetet im Grunde genommen „Gefahr“. Das ist Fakt und die meisten Menschen, die sich ständig aber ohne Erfolg an Sport und Diäten versuchen, scheitern im Grunde genommen an dem fehlenden Reframing ihrer Gedanken. 

Meine Fitnessgeschichte: schaurig-schön 

Auch mir ist es so ergangen. Ich war phasenweise wahnsinnig motiviert, weil ich irgendwelche krassen Trainingspläne bekommen und noch krassere YouTube Videos gesehen habe, weil ich den Weg aller anderen Fitnessmenschen gehen wollte, meinen aber nicht selbst pflasterte. Ich war völlig fremdgesteuert, überzeugt davon, dass ich perfekt werden würde, wenn ich das Leben von „Miss Perfect xy“ kopierte. Mein Körper und meine Seele riefen laut um Hilfe und Erlösung, doch ich hörte nicht hin. 

Mittlerweile bin ich seit 12 Jahren im Fitness. Ja, ich bin vielleicht stärker als andere Frauen, ich habe vielleicht mehr Muskelmasse als manch eine andere, womöglich bin ich nicht die “typische” Fitnessfrau. Aber: ich bin so viel klüger als die Yavi von damals. Denn mittlerweile weiß ich: Fitness MUSS ein Zusammenspiel von Geist und Körper sein und wenn du genau dieses Zusammenspiel beherrscht, BIST DU EIN FITNESSMENSCH.

Egal, was andere sagen

Du sagst, ich bin zu muskulös?

Du sagst, mein Po sei zu dick oder dellig?

Du sagst, meine Arme seien nicht definiert genug?

Du sagst, meine Workouts seien scheiße und mein Training nicht effizient genug?

Du sagst, meine Ernährung sei falsch? 

Du sagst, du kannst meine Bauchmuskeln nicht sehen, was könne ich dir dann überhaupt was von Fitness erzählen?

Du sagst, ich gefalle dir nicht?

OKAY. Ja wirklich. Feel free und bitte denke, was du möchtest. Es prallt an meiner Hautoberfläche ab wie ein Squash Ball an der Wand. Denn hinter dieser Wand befindet sich eine unzerstörbare Mauer aus Selbstliebe und Selbstüberzeugung und das dank vieler Jahre, in der ich auf der falschen Seite der Mauer stand. In der ich Fitness betrachtete, wie es leider die meisten tun: Oberflächlich. 

Wenn ich heute die Trainingsfläche betrete, sehe ich nur mich. Mich und meine wahren Bedürfnisse. Erst, wenn ich dort ankomme, weiß ich, was ich heute brauche. Ein intensives Ganzkörper-Training oder bloß ein bisschen Yoga und Mobility? Ich entscheide mich für die Bewegungen und Übungen, die sich dann gerade intuitiv richtig anfühlen. Ich sehe nicht, ob andere mir zuschauen, versuche nicht herauszufinden, ob sie mich bewerten und schon gar nicht, ob sie mich und mein Training gut finden. Es ist mir egal, ob um mich herum nur Männer oder nur Frauen sind. Es spielt keine Rolle, ob ich eine Übung richtig gut beherrsche oder noch gar nicht, ob ich dabei vielleicht lustig ausschaue oder völlig fertig oder professionell. Ich schaue auch nicht auf die Uhr, ich beende mein Training, wenn sich das Ende richtig anfühlt (es sei denn, die Kinder oder Termine warten… :)) 

ICH KREIERE MEINE EIGENE Fitnesswelt.

Kreiere du DEINE. 

Fitness ist nämlich ein ein Ding zwischen dir und deinem Körper, dazwischen ist kein Platz für andere. Erbaue dir eine Welt, in der du dich wohlfühlst, in die du dich gern zurückziehst, wenn dich Stress oder Sorgen bedrücken, in der du DU und glücklich und frei sein kannst. Baue sie Stück für Stück auf, sei geduldig, sei gut zu dir auf diesem Weg, auf dem du ganz sicher immer besser und sicherer wirst. Bis du feststellst, dass du den letzten Stein gesetzt und angekommen bist. 

Denn Fitness ist was du kannst, nicht, wie du aussiehst. Definiere dich darüber, was du fühlst und weißt und nicht über deine Kleidergröße oder eine ästhetische Komposition deines Körpers – der Relation von Muskelmasse und Körperfettanteil. Das alles spielt keine Rolle.

Und doch wird es kommen, wie du es dir wünscht, wenn du den Weg der Selbstliebe gehst und nicht den des Copy & Paste ohne Verständnis für dein wahres Ich und deinen Körper. Wenn es dir jedoch gelingt, deinem Herzen zu folgen und glücklich mit deinem Lebensstil zu sein, wird es dein Körper ebenfalls ausstrahlen. Und du wirst eine perfekte Version deiner Selbst. 

Trainingspläne oder intuitives Trainieren? 

Wenn du beschließt, dass DEINE Fitnesswelt eine Welt aus Trainingsplänen und Diäten ist, dann ist es völlig in Ordnung. Gewisse Zielsetzungen erfordern häufig klare Strukturen, Vorgaben, Konzepte. Und es ist gut, Ziele zu haben. Beispiel: du hast ein Baby auf die Welt gebracht und möchtest deinen Körper in Form bringen, weil du dich nicht wohl / stark / sexy / gesund / energisch genug fühlst. Ja, es ist dein gutes Recht, an deinem Körper zu arbeiten, wenn es dir wichtig ist und du glaubst, dass es dich auch zum Glücklichsein und mehr Lebensqualität führt. Und insbesondere wenn du Anfänger bist oder Anleitungen oder einen einen Arschtritt brauchst, sind Trainingspläne ideal. Sie können dir dabei helfen, wertvolles Wissen zu erlangen, dir in eine Routine hineinzuhelfen, dich zu pushen und zu motivieren. Alles wunderbar. Ich möchte nur, dass du verstehst, dass kein Plan der Welt dich zu einem Fitnessmenschen macht. Das ist nämlich in meinen Augen jemand, der verstanden hat, dass Fitness ein Zusammenspiel aus jedem kleinsten Partikel deines Körpers ist – nicht nur dem, was andere sehen, sondern auch dem, was nur du siehst. Fitness ist wie eine glückliche Ehe zwischen deinen Gedanken und deinen Muskeln. Es kann auch mal anstrengend sein und knallen, aber grundsätzlich herrschen Frieden, Harmonie und pures Liebesglück. Man hört einander zu und ist immer um das Wohl des anderen bemüht.

Ich wiederhole: du darfst mit Trainingsplänen arbeiten und einem knallharten Programm folgen, um deinem Ziel näher zu kommen. Es ist auch überhaupt kein Kunststück als Fitnesstrainer einen Trainingsplan zu schreiben. Wenn du möchtest, bekommst du in einer Stunde einen, der dich in 3 Monaten bis auf die blanken Adern shredded. Ein Kunststück ist jedoch, als wirklich guter Coach die Philosophie zu vermitteln, dass der Weg das Ziel ist. Und dass du den Weg am besten bis zu deinem Lebensende gehen kannst. Baue auf diesem Weg sehr viel Raum für Intuition, für Emotionen, für Nachsicht, für Ruhe, für deine Mitte, für DICH ein. Sei gut zu dir und mache dir die Fitnesswelt, wie sie dir gefällt.

Fit ist, wer entscheidet, es zu sein 

Wie auch immer DEINE Fitnesswelt aussieht, es IST eine Welt des Fitness. Und wenn du willst, dann bist du ein Fitnessmensch, egal, ob andere Menschen es so sehen oder nicht. Sage es. Glaube es. 

Wenn du daran zweifelst, ob du ein Teil der Fitnesswelt bist, dann ist der nächste Abschnitt für dich. Ich möchte, dass du dir ab sofort jeden Tag beim Blick in den Spielgel sagst: 

Ich bin mehr als nur mein Körper.

Ich bin mehr als mein Ernährungsstil.

Ich bin mehr als meine sportliche Leistung. 

Ich bin mehr als meine Kleidung. 

Ich bin mehr als nur „eine von ihnen“.

Ich bin Ich.

Ich bin wunderbar. 

Und wenn ich es will, bin ich fit, und ich entscheide ganz allein, was fit bedeutet. 

Es funktioniert. Dein Gehirn glaubt, was du ihm sagst. Täglich. Die Magie der Mantras. Das Wunder der Selbstliebe, die dabei beginnt, dass du dir selbst Liebeserklärungen machst. Täglich. 

  

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6 Kommentare

  • Reply Kryssi 4. November 2018 at 17:56

    Danke Yavi für deine Gedanken. Es trifft sehr meine Chaosgedanken diesem Thema gegenüber.
    Ich weiß jetzt, wo ich ansetzen kann!

  • Reply Anke 4. November 2018 at 18:05

    Wie immer super toll geschrieben. Und so wahr! Ich denke, dass zu viele eine falsche Vorstellung von Fitness und den Studios und Hypes drumherum haben.
    Um mich in meiner Haut wieder wohler zu fühlen und gleichzeitig an meiner Fitness (im Sinne von Kondition/Ausdauer und Beweglichkeit) zu arbeiten, habe ich mich zuletzt auch wieder in einem Studio angemeldet. Ich weiß, dass ich kein Fitnessmensch bin und keine Wunder erwarten muss. Deshalb habe ich mich schon auf eine lange Reise zu meinem Ziel eingestellt. Allerdings ertappe ich mich auch oft dabei, andere Leute neidvoll zu betrachten wie sie so locker flockig alle möglichen Übungen absolvieren.
    Aber bei denen sah das anfangs bestimmt auch anders aus

  • Reply Karolin 4. November 2018 at 19:27

    Wunderbar geschrieben. Ich Danke dir Yavi. Ich habe vor 5 Monate mein 2. Kind entbunden und habe natürlich ein paar Defizite;-) ich bin eigentlich sehr relaxed aber nach der Zeit möchte man doch gerne wieder zurück zum “alten” Ich . Man fängt doch an sich etwas unter Druck zu setzen und sieht diese ganzen Afterbabybodys. Man will es nicht aber es nagt an einem und dann diese Worte von dir zu lesen, tut gut. Ich fühle mich wieder geerdet und entschleunigt und weiß das es ok ist länger zu brauchen, mein Körper braucht eben. Und in der Stillzeit ist mein Körper sowieso “anders” und läuft manchmal “komisch 😉 .
    Liebe Grüße
    Schnecken_mom

  • Reply Josi 4. November 2018 at 19:50

    Danke für diesen tollen Beitrag! <3 Er hat gerade einiges in mir ausgelöst.

  • Reply Alice 5. November 2018 at 9:43

    So einen tollen Artikel habe ich schon lange nicht mehr gelesen, du sprichst mir derzeit aus der Seele und nun versuche ich meine Gedanken nochmal zu ordnen und evtl. den ein oder anderen Instagram Influencer zu entflogen um mir den Druck zu nehmen. Vielen Dank!

  • Reply Julia 6. November 2018 at 7:36

    Wow, ein wirklich sehr schöner und vorallem ehrlicher Artikel. Vielen Dank dafür! Alles was zählt ist doch, dass wir uns im eigenen Körper wohl fühlen und das sollte man sich auch immer wieder in Erinnerung rufen.

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