Lifestyle

Mein Leben nach dem Buch 

3. Oktober 2018

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Ich glaube mit dem eigenen Buch ist es ein bisschen so wie mit dem Abi. Du hast deine groben Pläne für danach, aber was danach so wirklich kommt und passiert, weißt du eigentlich gar nicht. Du weißt nur: du bist scheiße aufgeregt. Hast Angst. Zugleich kannst du es kaum erwarten und bist verdammt stolz. Und wenn es vorbei ist, bist du einfach nur erleichtert und willst leben. Das Leben geht weiter, auch wenn anders als zuvor.

Mein Leben nach dem Buch ist nun etwas mehr als ein halbes Jahr alt. Vor einem Jahr noch habe ich die Nächte damit verbracht, Leonas zu stillen und dazwischen meine Dokumentseiten zu füllen. Seiten, die zu den bedeutendsten werden sollten, die ich je schrieb. Viel bedeutender, als meine Abiklausuren. 

Sie haben mich verändert – schon bevor ich sie schrieb. Nicht das, was nach meinem Buch kam und auch nicht das, was in meinem Leben passiert war, hatte mich verändert. Nur das, wie ich schließlich über die Dinge dachte. Wer meine Seiten gelesen hat weiß, dass die Selbstreflexion meine stärkste Stärke ist. 

Also sitze ich heute hier, wieder vor einer leeren Seite, rechts von mir ein Wein, links ein Becher Eis, und ich reflektiere. Über die letzten Monate, die so schnell an mir vorbeigezogen sind, dass ich nicht über das Buch und die Konsequenzen der Veröffentlichung nachdenken konnte. Nicht wirklich jedenfalls. Also klar, ich dachte: „Wow“. Und: „Puh, krass“. Oder: „Wirklich? Mein Buch???“ Aber was hier folgt, sind die intensivsten-tiefsten Gedanken, die ich seit der Veröffentlichung im Frühjahr 2018 formuliere. Ich versuche mich kurz zu fassen.

Ich weiß …

… dass mein Buch nach meinen Kindern das wichtigste Werk meines Lebens ist und es vermutlich bis zum Ende bleiben wird. Und dabei schließe ich euch als Leser erst einmal aus. Ich meine: es ist MEIN wichtigstes Werk. Es hat mich erlöst. Gestärkt. Ermutigt. Bereinigt. Ich weiß noch, was ich als allererstes dachte, als es auf den Markt kam: Mir kann jetzt nichts mehr passieren, denn selbst wenn ich jetzt nackt durch unsere Siedlung laufe, trage ich dabei mehr Kleidung als Autorin dieses Buches. Ich habe mich mit meinem Buch nackiger als nackig gemacht. Meine ganze Seele steckt darin, in jedem einzelnen Wort. Gedanken, die ich mich zuvor nicht getraut habe zu denken, haben darin Gestalt angenommen und sie ist so rein wie mein Gewissen über diesen Schritt an die Öffentlichkeit. 

„Rein“ – ja, das ist die größte Konsequenz. Ich habe neu angefangen. Bin, wie ich bin, und stolz drauf. Ich muss mich nicht mehr verstecken, schöner, interessanter, wichtiger machen. Ich BIN mein Buch und wer die Seiten darin nicht mag, der kann ein anderes Buch aufschlagen. Es gibt zu viele, als dass ich mich verletzt fühlen könnte.

Verletzt… 

Viele fragten: „Was sagte deine Familie? Was sagten deine Freunde?“ und sie sagten alle: „Glückwunsch“ und ich hörte den lautlosen Kloß ganz genau – als würde ein Militärjet direkt über meinen Kopf fliegen. An niemandem ist das Buch spurlos vorbei gegangen. An meiner Familie vermutlich am wenigsten. Einige haben es noch nicht gelesen / nicht lesen wollen. Ausreden habe ich einige gehört. Andere waren schockiert. Berührt. Begeistert. Mein Mann reagierte mit einem Stolz, wie ich ihn noch nie von einer mir wichtigen Person erleben durfte. Wir weinten zusammen. Wie meine Mutter reagierte, habe ich in meinem offenen Brief an sie mit euch geteilt. Und meine Freunde sind wie ein Weizenfeld nach einem Sturm. Während die größten Bäume um sie herum umgefallen sind, sind sie vielleicht ein bisschen geknickt, doch sie erheben sich wieder und bleiben, ohne zu gehen. Ich bin dankbar. 

Denn es hat sich nichts geändert. Das Leben geht weiter, wie bisher, nur ein bisschen anders vielleicht.

Anders, weil sich das Buch immer und immer wieder seinen Weg in meinen Alltag bahnt. Besonders in den ersten Monaten wurde ich erschlagen von den vielen Reaktionen auf mein Buch, aber auch noch heute und auch jetzt in diesem Moment. 

So viele … 

…. Rezensionen auf den offiziellen Händlerseiten, allesamt mehr als positiv. Persönliche Emails mit so berührenden Worten, wie ich sie nicht erwartet hatte. Dann ein großes Medieninteresse. Ich durfte beim Gamechanger Festival in Wien sprechen. Es berichteten: RTL Exclusiv, Spiegel Online, Shape, Woman, Closer, Brigitte, Rheinische Post, Augsburger Allgemeine, Health TV, Deutschlandfunk Nova (hier könnt ihr mein Interview zum Thema Sportsucht hören), Woche heute, Freizeit Revue, Viel Spaß, Trainer, Lea, Avanti und einige mehr. Mal mit mir im Mittelpunkt, mal mit der Message meines Buches. Immer mit treffenden, berührenden Worten.

Und dann … 

dann war war mein kleines, persönliches Buch über mein kleines Leben plötzlich ein Spiegel Bestseller. Und riesengroß, wenn auch nur für eine Woche. Wie das passieren konnte, kapiere ich bis heute nicht. 

Ein Moment, in dem ich merkte, wie gern ich klein bin. Zuhause, mit meinen drei Jungs, nicht auf dem Cover meines Buches, das ich in den Regalen großer Buchhandlungen und an Flughäfen entdecke. Nicht in den Zeitschriften oder im Fernsehen oder in den Händen wildfremder Personen, die mit einem Mal mehr über mich wissen, als ich es noch vor einem Jahr über mich selbst wusste.  Ich bleibe tatsächlich am liebsten klein und im Pyjama auf unserer Treppenstufe. Mit Eiscreme und Erdnussbutter. Nichts an und mir hat sich verändert, seitdem ihr meine komplette Lebensgeschichte kaufen und lesen könnt. 

Doch ich weiß, dass sich vieles in vielen von euch verändert hat. Das weiß ich seit den unglaublichsten Nachrichten, die ich erhalten habe. Noch bevor ich mein Buch selbst in den Händen hielt, schrieb mir eine der ersten Leserinnen: „Hätte ich dein Buch vor fünf Jahren gelesen, wäre mir das nicht passiert“ – und fügte ein Foto mit ihren vernarbten Unterarmen hinzu. Eine Ritzerin, so, wie ich es einige Zeit lang gewesen bin. Ich weinte. Das erste Mal von vielen, die noch folgen sollten. Danke für alle eure Geschichte, Gedanken, Glückwünsche. 

Gedanken … 

Ich denke / spüre / hoffe, dass mein Buch zusammenbringt- und hält. Dich, als Leser und mich, als Schreiber.

Du hast geweint. Ich habe geweint. Vielleicht.

Du hast gelacht. Ich habe gelacht. Vielleicht.

Du hast verstanden. Ich habe verstanden. Vermutlich.

Zu ganz anderen Zeitpunkten und doch irgendwie zusammen. Wir sind uns vermutlich nie begegnet und dennoch sind wir uns sehr, sehr nah. Ein großartiger Gedanke, oder?

Und darüber hinaus mein größter Gewinn dieses Deals mit dem Buch, denn ich habe immer gesagt, dass ich das Buch für mich und für dich schreibe. Für mich, um alle meinen noch offenen Fragen zu beantworten und neu anzufangen, für dich, damit auch du dein Leben neu ordnen kannst, wenn du das Bedürfnis dazu hast. Wenn es mir tatsächlich ein wenig gelungen ist, dann ist mein Buch wirklich das beste, was ich jemals in meinem Leben getan haben werde. Ein Beststeller, der immer ganz oben in der Liste bleibt. 

Der Wein wirkt, ich muss Schluss machen, bevor es hier zu poetisch wird. Zuletzt noch …

Einige Fragen, die ihr mir in den letzten Monaten zu meinem Buch häufig gestellt habt 

Wirst du auf der Straße erkannt?

Es ist schon einige Male passiert, aber nicht unbedingt direkt wegen meines Buches, sondern weil mich jemand aus dem Fernsehen oder einer Zeitschrift kannte und darauf ansprach. Ich freue mich da immer sehr drüber.

Kann man dich und dein Buch irgendwo treffen? 

Ja. Aktuell gibt es zwei zeitnahe Termine, zu denen ihr unbedingt kommen müsst:

1. Ein exklusives Event in der Volksbank Rhein-Ruhr in Duisburg am 6.10. von 11-13 Uhr. Dort spreche ich über mein Buch, mein Leben, meinen Job, beantworte vor Ort eure Fragen und signiere auf Wunsch mein Buch, das ihr dort auch erwerben könnt. Meldet euch hier kostenlos an und kommt auf nen Drink und eine Umarmung vorbei! 

2. Ich bin am 13.10. im Auftrag der Hochschule für Medien in Stuttgart auf der Frankfurter Buchmesse und zwar genau genommen hier: HALLE 4.1 A86 (STUDIUM RUND UMS BUCH STAND). Wenn ihr hören wollt, wie ich den Schreibprozess empfand, die Zusammenarbeit mit dem Verlag und vieles mehr, dann kommt unbedingt um 17 Uhr dort vorbei. Geht ne Stunde. Vorher und nachher schenke ich allen, die wollen und schnell sind, mein Buch!

3. Eine erste Lesung ist aktuell übrigens in Planung und wird voraussichtlich im November stattfinden, wo wie was erfahrt ihr, wenn es spruchreif wird. 

Hörbuch? 

Ist im Gespräch. Who knows. Keine Versprechen. 

Ich möchte auch ein Buch veröffentlichen. Wie stelle ich das an? 

Mein Buch war ein Auftrag der Münchner Verlagsgruppe. Wäre diese nicht auf mich zugekommen, hätte ich mein Buch vermutlich (noch) nicht geschrieben. Wie man also an einen Verlag kommt, weiß ich nur, weil ich schon mal für ne Freundin bei meinem Verlag nachgefragt habe: Ihr solltet ein Manuskript oder zumindest eine aussagekräftige Zusammenfassung / Idee eures Buches an den Verlag schicken und darum bitten, es zu sichten. Abwarten. Notfalls nachhaken. Thats it.

Schreibst du noch ein zweites Buch? 

Ich habe zu viele Ideen aber auch zu viele Kinder und daher zu wenig Zeit 🙂 Ne im Ernst. Ich möchte, sehr gern. Ich möchte schreiben, solange meine Finger mitmachen, aber das nächste Buch, das ich schreibe, muss sich für mich genauso wichtig und richtig anfühlen wie „Bis es wehtut“. Also wer weiß. Vielleicht fange ich morgen Nachmittag an, vielleicht aber auch erst in siebeneinhalb Jahren. Wenn du eine super Idee hast, schreib sie mir gerne, vielleicht ist das genau DIE. 

Wird man damit reich?

Ja und nein. Je nachdem, welchen Reichtum du eigentlich meinst … 🙂 

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1 Kommentar

  • Reply Maike 26. Oktober 2018 at 8:21

    <3

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