Mama

„Wie schaffst du das alles?“ – Mein Tagesablauf (mit Kids und Job)

3. Mai 2018

Manchmal frage ich mich, was ich damals – so als kinderlose, junge Frau – mit meiner ganzen Freizeit angestellt habe. Ja klar, ich habe studiert, hatte Nebenjobs, später Fulltime. Aber hey, wenn Feierabend war, war Feierabend! Ich konnte mich danach auf’s Sofa hauen, so lange ich wollte, schlief am Wochenende aus und außerdem jede Nacht immer durch. Es sei denn ich saß mit Freunden bis nach Mitternacht im Restaurant oder hüpfte auf der Tanzfläche herum. Regelmäßig ins Fitnessstudio, ein bisschen einkaufen, alles ganz ohne Druck. Easy. Wie geil das eigentlich war, weiß ich erst jetzt, wo ich eigentlich nie Feierabend habe, allerhöchstens bis 23h ausgehe, weil ich weiß, dass mich mein Baby alle zwei Stunden anzapft und ich trotzdem früh morgens auf der Matte stehen muss, wenn das erste Kind nach seinem Frühstück ruft. Aber wem sag ich das – wenn du das hier liest, bist du vermutlich selbst Mutter oder möchtest es gern werden  und weißt selbst, wie hart dieser „schönste Job der Welt“ ist.

Doch vielleicht weißt du nicht, wie du ihn auch nur einen Tag länger schaffst, ohne komplett auszurasten oder zusammenzubrechen. Ja, ich weiß durch viele Leser-Mails oder Insta-PN’s, dass das Phänomen „ausgebrannte Mutter“ gar nicht so selten ist. Und es wundert mich auch nicht, die Belastung, die wir tagtäglich erfahren, ist enorm. Aber irgendwie funktionieren wir halt, oder? Die Frage ist nur: Wollen wir nicht mehr, als NUR funktionieren? Wollen wir nicht mehr Spaß dabei? Eine höhere Belastungsgrenze? Mehr lachen als weinen, uns mehr freuen als aufregen? Eine glückliche Mutter sein, die trotz eines turbulenten Alltags alles im Griff hat? 

Dieser Beitrag ist mein Versuch, uns zu helfen. Ja, uns – auch mir. Die manchmal selbst kaum erwarten kann, dass der Tag endet und der müde Körper in die Federn fallen kann. Du magst es vielleicht gerade nicht glauben, weil du womöglich durch meine Instastories immer siehst, in welchem Tempo ich lebe und auf den ersten Blick alles so locker flockig meistre. Lass dir gesagt sein: Ist nicht immer so. ABER: meistens. Und ich erzähle dir jetzt, wie es mir gelingt, zu 90 % in meiner Mitte zu sein, auch, wenn die ganze Welt von allen Seiten an mir zieht. Im besten Fall kann ich dir helfen, deinen Stress mit anderen Augen zu sehen, und im zweitbesten Fall helfe ich mir dabei selbst, in dem ich mir mal wieder vor Augen führe, dass alles schlimmer aussieht als es eigentlich ist. 

Beginnen wir zunächst mit einem exemplarischen Tagesablauf, wie er meist (unter der Woche) im Hause Hameister abläuft.

Mein typischer Tagesablauf

6.30 Leonas wird wach und da mein Mann bereits auf den Beinen ist, um sich für die Arbeit fertig zu machen, nimmt er aus unserem Schlafzimmer raus und ich schlafe noch ein wenig weiter (das ist der beste Schlaf!)

7:15 Mein Mann geht aus dem Haus und übergibt mir Leonas. Spätestens dann muss ich also wirklich aufstehen. 

7:17 Ich gehe mit Leonas ins Bad, gehe durch meine Hautpflegeroutine, putze mir die Zähne, binde mir meine Haare zusammen.

7:20 Ich gehe mit Leonas ins Ankleidezimmer, ziehe mir fix was an (meistens Sportklamotten, denn das motiviert mich IMMER, tatsächlich Sport zu machen. Motivationstipp Nr.1: Ziehe direkt Sportsachen an und erst wieder aus, wenn du mindestens 30 Minuten Sport gemacht hast), trage eine getönte Tagescreme auf, etwas Wimperntusche, male mir Augenbrauen.

Zwischen 7:30 und 8:00 (manchmal sogar später) kommt Lias aus seinem Zimmer geschlurft und dann muss erst einmal mit Leonas und mir gekuschelt werden. 

8:00 Frühstück: Lias isst seinen geliebten Brei, den ich meist am Abend schon vorbereitet hatte, Leonas bekommt mittlerweile ebenfalls einen Brei aus Milch und Flocken (Reis, Dinkel etc.) und ich trinke meine tägliche Portion Athletic Greens (das einzige Supplement, das du brauchst und dass dich innerhalb weniger Sekunden hellwach macht!). 

8:15 Wir gehen wieder hoch und ich ziehe die Kinder an. Eins nach dem anderen. Es mag sein, dass eins schlecht gelaunt ist, meckert oder weint, aber dann ist das eben so. Ich bin weder ein Oktopus noch Magier und arbeite das Fertigmachen Schritt für Schritt ab, auch, wenn einer der Jungs das Haus zusammenschreit. Wuuuuza.

8:30 Nachdem die Haare gekämmt und die Zähne geputzt sind, spielen wir manchmal noch ein wenig miteinander oder lesen ein Buch, aber in der Regel kann Lias es kaum erwarten, in die Kita zu fahren und auch Leonas sagt nicht nein, weil er dann schon wieder müde wird und pennen will. 

9:00 Leonas und ich haben Lias in der Kita abgesetzt und dann gibt es zwei Optionen: 

9:10 Version A Wenn Leonas schon auf dem Weg in die Kita eingeschlafen ist, fahren wir ins Fitnessstudio (ca. 3 x die Woche) und dann hat er nach einem kurzen Nickerchen (das ihm dann auch immer ausreicht, zumindest wird er immer bestens gelaunt wieder wach) eine Stunde Halligalli in der Kinderbetreuung. Wir sind sehr zufrieden mit der Betreuung, weil Leonas dann im Mittelpunkt steht und wunderbar umsorgt wird. Er liebt es, dort alle Spielsachen zu erkunden oder den anderen Kindern zuzuschauen. Leonas hält dann einen längeren Schlaf, wenn wir nach dem einstündigen Training nach Hause fahren. Manchmal schläft er im Auto ein, dann trage ich ihn hoch ins Bett, manchmal bleibt er wach und ich bringe ihn dann zuhause in unser Schlafzimmer und lege ihn dort nach dem Stillen ins Bett. 

9:10 Version B Wenn Leonas noch nicht schläft und sichtbar müde ist, fahren wir fix heim und ich lege ihn ins Bett, nachdem ich ihn eventuell noch gestillt habe. 

9:20 / 9.30 Leonas schläft und das ist die Zeit, in der ich zunächst selbst endlich frühstücke und dann arbeite. Ihr wisst es womöglich: ich bin selbständige Bloggerin, Personal Trainerin und Ernährungsberaterin (wobei ich aktuell nur Blog-Aufträge annehme, da ich als Coach bis voraussichtlich Ende des Jahres keine Kapazitäten habe). In dieser Zeit sitze ich also am Mac, beantworte Emails, schreibe Blog- oder Instagrambeiträge, schieße Fotos, recherchiere, mache auch mal eine Instastory, entwerfe Konzepte für Kunden, schreibe Reportings und Rechnungen zu den abgelaufenen Kooperationen, kümmere mich um technischen Kram auf dem Blog und überarbeite /aktualisiere ihn ggf., plane die nächsten Wochen, erledige Telefonate, mache Papierkram, bereite Unterlagen für Steuerberater und Buchhalterin vor etc. 

10.30 Zwischendurch bereite ich Leonas’ Mittagessen im Thermomix vor. Einiges davon lasse ich ganz (zum Beispiel Möhren und Süßkartoffeln), den Rest püriere ich und dann hat Leo eine Mischung ein Fingerfood und Brei und das funktioniert wunderbar!

11:30 Leonas wird langsam wach, ich wickle und schmuse ihn und wir spielen / „quatschen“ ein wenig in seiner Spielecke. 

12:00 Mittagessen! Wir essen meist gemeinsam. Während ich sein Mittagessen ja kurz zuvor vorbereitet habe, hole ich mein Abendessen oder Mittagessen vom Vortag aus dem Kühlschrank oder esse das Gemüse mit Kartoffeln oder Nudeln mit, das auch Leonas (in pürierter Form) bekommt oder aber bereite mir fix etwas zu. Zum Beispiel: Salat, eine Suppe, Rührei, ein schnelles Pfannengericht, Müsli, bislang auch gern Brot, aber das muss ich wegen Hashimoto aktuell meiden (dazu an anderer Stelle mehr).

12:30 Nach dem Essen ist wieder Spiel-und Schmusezeit und dann der Timeslot für Erledigungen. Wir fahren zum Einkaufen (bzw. laufen meist hin und haben die Pflicht mit einem schönen Spaziergang verbunden), zur Reinigung, Behörden, treffen Freunde etc., ich mache den Haushalt, räume oder baue irgendwas auf, sortiere Schränke, backe einen Kuchen, mache schon mal das Abendessen – eine bunte und vor allem variable Mischung und eigentlich all das, was im Alltag halt so anfällt. 

Photo Credit: Anja Wilhelmi Fotografie

13:00 / 13.30 Leonas wird wieder müde und schläft ein. Entweder unterwegs im Kinderwagen oder im Auto, oder aber wir sind zuhause und dann geht’s wieder in sein Bett. 

13:30 Sofern wir zu seinem Mittagsschlaf zuhause sind, beginnt wieder „meine Zeit“, mit anderen Worten: Arbeit. Da ich NIEMALS arbeite, wenn meine Kinder da / wach sind, bleiben mir nur die Stunden ihrer Abwesenheit – wenn sie also schlafen / in der Kita sind. Es gibt Tage, an denen ich tagsüber nicht zum Arbeiten gekommen bin oder wo die Zeit nicht gereicht hat, dann arbeite ich abends, wenn die Kinder im Bett sind. Es gibt Zeiten, da kommt alles auf einmal und ich muss wahnsinnig viel arbeiten (dann auch wirklich in jeder freien Minute), und dann kommen wieder Zeiten, in denen ich mehr Luft habe und dann auch mal einen Tag nicht ans Laptop muss. 

15:00 Leonas ist wach und wir holen endlich Lias ab! Entweder zu Fuß / mit dem Fahrrad oder mit dem Auto. Wenn wir keine Termine haben am Nachmittag, kommen wir meist zu Fuß zur Kita (ca. 20 Minuten fußläufig entfernt, wenn nur Leonas und ich laufen, mit Lias dauert es auch schon mal 1,5 Stunden :). Wir lassen uns dann auf dem Heimweg Zeit, kehren noch auf dem Spielplatz ein, beobachten Katzen und Ameisen, gucken Autos, gehen zum Bäcker etc. Wenn wir verabredet sind, dann kommen wir mit dem Auto, sodass wir im Anschluss direkt zu unseren Freunden fahren können. Lias hat viele Freunde, mit denen er nachmittags gern noch ein bisschen spielt und ich genieße dann die Gespräche mit den Müttern / Freundinnen (sofern die Kindern uns reden lassen, ihr wisst schon…). Oft – vor allem bei gutem Wetter! – sind wir einfach bei uns im Garten oder vor der Tür, wo sich oft die halbe Nachbarschaft trifft, um den Kindern beim Fahrradfahren zuzuschauen und dabei zu quatschen. Total toll. Und bei schlechtem Wettern sind wir zuhause, lesen Bücher, bauen Puzzle, spielen mit Autos oder anderem Kram, der gerade bei Lias angesagt ist, wir kochen und essen gemeinsam noch eine Kleinigkeit am Nachmittag. 

16.30 Manchmal macht Leonas noch ein kurzes Nickerchen und Lias und ich genießen dann die Zeit zu zweit! Und ganz ehrlich: als Zweifachmama empfinde ich die Zeit mit einem Kind fast schon als Wellness! 

17.30 / 18.00 Wir bereiten gemeinsam das Abendessen vor und sitzen dann zusammen am Tisch. Mir ist super wichtig, dass wir mindestens einmal am Tag nicht nur zusammen am Tisch sitzen, sondern auch gemeinsam essen, da es mir selbst in meiner Kindheit total gefehlt hat. Natürlich bricht meist das Chaos aus und die Breie der beiden (ja, beide bekommen Brei: Leonas Dinkel- oder Reisflocken mit Weidemilch oder pflanzlicher Milch und Lias Haferflocken mit der gleichen Milch plus Banane und ein Nussmus wie etwa Mandelmus – manchmal gibt es etwas Manuka Honig dazu) kleben an Wand und Möbeln und an mir – aber hey! Gehört dazu!

18.30 Wir gehen hoch und ich frage: „Wen ziehe ich zuerst um?“ – Lias ruft meist „Leo!“, weil er dann noch etwas spielen kann. Also wird Leonas zuerst gewickelt und umgezogen (ca. 1 x die Woche gebadet), dann Lias – inklusive Zähneputzen natürlich. 

19:00 Je nach Müdigkeitgrad der Jungs kommt erst der eine ins Bett, dann der andere. Ist Leonas der Müdere, bitte ich Lias, noch kurz etwas selbst zu lesen oder zu spielen und gehe mit Leonas in unser Elternschlafzimmer, stille ihn und lege ihn dann mit seiner Schlafmelodie in sein Bettchen, wo er in der Regel sofort einschläft. Dann gehe ich zu Lias, kuschel mich mit ihm in sein kleines Bett, lese ihm etwas vor, wir besprechen den Tag und dann bleibe ich noch kurz bei ihm, wenn er einschläft. Wenn Lias der Müdere war und Leonas noch bei uns ist, verabschieden Leonas und ich uns nach der Gutenacht-Geschichte und Lias schläft dann allein ein, sodass ich mich in Ruhe um Leonas kümmern kann. Und im IDEALFALL war mein Mann schon zuhause und konnte die Bettroutine mit Lias machen, sodass ich mich lediglich um ein Kind kümmern musste. Das ist immer wahnsinnig erleichternd!

19:30 / 20:00 Ich flitze kurz durch die Wohnung, räume etwas auf, mache Wäsche etc. und bereite ggf. das Abendessen vor. Zwar habe ich schon mit den Jungs zuvor gegessen, doch ein kleines Dinner mit meinem Mann lasse ich mir nicht nehmen! Es ist doch immer etwas anderes, mit einem großen Tischnachbar zu sprechen und nicht nur mit zwei Kleinen 😉 Wenn mein Mann also zwischen 20 und 21 Uhr nach Hause kommt, wird gegessen, im Anschluss hin und wieder medizitiert, dann entweder auf dem Sofa gechillt oder noch etwas gearbeitet. Stets ein wunderbarer Abschluss des Tages!

Zwischen 22:30 und 24:00: Heia. Und der häufig erste Moment der Ruhe. Im Bett schreibe ich noch die wichtigsten To Do’s für den nächsten Tag in meinen Handy-Kalender, wodurch ich mit absolut freiem Kopf einschlafen kann und am nächsten Morgen außerdem direkt weiß, was ansteht. Diese Struktur / Routine hilft mir ungemein dabei produktiv und motiviert zu sein und nicht den Kopf zu verlieren. Folge: Gelassenheit.

Mental Power is the key

Das ist also mein Durchschnitts-Tagesablauf. Ja, es geht Schlag-auf-Schlag und richtige Freizeit ist ein Luxusgut. Mal empfinde ich die Tage als anstrengend, mal bin ich richtig gepusht und liebe das Tempo. Beschäftigt zu sein, gibt mir Energie, doch zu viele To Do’s führen zur Überforderung und schließlich zur Kapitulation, weswegen ich bei meinen To Do Listen immer radikal priorisiere und weise überlege, was klar geht und was nicht. Ich arbeite dann die Listen ab, doch lasse mir genug Freiheiten zur Improvisation und Abweichung. Mit anderen Worten: ich nehme die Listen nicht zu ernst. Und das nimmt mir sehr viel Druck! Und weniger Druck heißt gleichzeitig: Positive Stimmung und eine entspannte Haltung bei ungeplanten Planänderungen. Und es kommt ja ständig etwas dazwischen: Kranke Kinder, Müdigkeit oder Lustlosigkeit (klar habe ich die auch und dann lebe ich sie absolut aus, indem ich NIX tue und nur abhänge), spontane Termine – whatever. Am Abend, im Bett, checke ich dann die Liste des Tages und alles, was ich nicht geschafft habe, verschiebe ich einfach auf den nächsten Tag. 

Dankbarkeit 

Und dann widme ich meine Gedanken dem, was an diesem Tag passiert ist. Und wenn ich die Ereignisse Revue passieren lasse, wird mir bewusst, wie viel ich eigentlich geschafft habe – auch, wenn ich auf den ersten Blick NICHTS geschafft habe – und vor allem: wie viel Wunderbares passiert ist! Die Kinder sind beide wach geworden, haben sich übereinander gefreut, wir konnten etwas Leckeres essen, haben es in die Kita geschafft, haben vielleicht sogar noch Freunde gesehen, Tiere beobachtet, lustige Gespräche geführt, gekuschelt – und am Ende des Tages sind wir GESUND in warme Betten gekrochen. Stichwort: DANKBARKEIT. 

Klingt abgedroschen, ja, mag sein, aber manchmal sind es die ganz simplen Gedanken und Dinge, die das eigene Glück füttern. Bei mir funktioniert es jedenfalls, dankbar und positiv zu denken, und wenn ich dann Nachrichten von euch bekommen wie etwa „wie schaffst du das alles nur?“ – dann lautet die Antwort: mit Humor, Gelassenheit, Dankbarkeit und Positive Thinking.

Und das gilt nicht nur für mein eigenes Leben – das private wie berufliche – sondern auch für meine Erziehung. Häufig lese ich Nachrichten wie „du gehst so locker mit deinen Kindern um“ oder „Wahnsinn, wie du Lias vertraust! Er darf so vieles selbst machen!“ oder „bei diesem Chaos wäre ich längst durchgedreht!“ und dann wird mir selbst nochmal bewusst, wie gut mich meine entspannte Haltung tatsächlich durch’s Leben bringt. Wie easy ich es nehme, wenn etwas total schief läuft, wenn die Kinder Unordnung oder Dreck machen oder wenn sie andere Pläne haben, als ich. Beispiel: Lias schüttet den Sand aus seinen Schuhen im Flur aus, indem er die Schuhe aneinanderklopft und ruft „Guck mal Mama, sie sind jetzt sauber!“. Joa, ist nicht so cool, wenn man WIEDER saugen muss, aber: Schaut euch doch mal den Stolz und die Begeisterung eurer Kinder in solchen Moment an und bedenkt, dass sie es doch gut meinen! Und: Sie meinen es nicht nur nicht böse, sondern sie wissen es manchmal einfach nicht besser! Ich könnte euch noch unendlich viele Beispiele dieser Art nennen, denn sie passieren jeden Tag, und manchmal platzt mir dann auch mal der Kragen – doch wisst ihr, wann? Wenn meine To Do Liste zu lang war, als dass ich sie auch nur annähernd schaffen konnte, wenn ich dann extrem gestresst und unzufrieden bin und meine Nerven strapaziert sind. Ich haue mir dann mit nem imaginären Hammer auf dem Kopf und schreie mich innerlich an: „Das ist falsch! Und nicht fair! Deine Kids können nichts dafür! Chill mal, Mutti“. 

Mein Alltag ist ihre Kindheit

Ich lasse dann alles stehen und liegen und konzentriere mich dann bewusst auf meine Kinder und ihre Bedürfnisse. Nichts ist wichtiger, als die Zeit mit ihnen und dass sie wissen, dass sie meine ungeteilte Aufmerksamkeit haben. Alles kann warten – auch der Sand im Flur, die Küche, die Wäsche, E-Mails, eine Freundin, die telefonieren will. Es ist nicht immer einfach, wenn man Hummeln im Popo hat und der Zweijährige eine Schneckenwanderung beobachtet, und es ist vor allem extrem hart, wenn man wahnsinnig müde ist und die Kinder vor Energie nur so sprudeln, aber wie sagte ich doch gleich zu Anfang? Irgendwie schafft man dann doch alles. Irgendwie funktioniert’s. Und wenn’s doch mal alles ganz Schwarz aussieht, hilft meist eine ganz einfache rhetorische Frage: Was wären wir ohne unsere Kinder? 

Oh ja, ich bezeichne mich als überglückliche Frau und Mutter, die alles hat, was sie sich je gewünscht hat. Wer mein Buch gelesen hat, weiß, dass es ein extrem harter Weg bis hierhin war und vielleicht ist es dieser, der mir die Sache mit der „Dankbarkeit“ und der daraus resultierenden positiven Einstellung so viel einfacher macht. Ich kann über fast alles, was objektiv gesehen nervig, lästig oder ärgerlich ist, lachen, wohlwissend, dass die meisten Dinge banal sind. Keine echten Probleme und in den meisten Fällen sogar flüchtig. Es kommen neue Chancen, neue Tage, neue Erfolge. Ich halte mich also nicht an Niederlagen oder kleinen Unglücken auf! Und das wiederum gibt mir die nötige Energie für den nächsten Tag mit zwei Kindern, einem Haus, einem Job und einem Ehemann, der irgendwie immer trotzdem meist zu kurz kommt. Doch auch hier denken wir positiv und sagen einander immer wieder: „Unsere Zeit kommt wieder! Irgendwann sind unsere Kinder groß und wir werden vermutlich öfter über sie sprechen, als dass wir sie sehen!“ – und dann ist sie wieder da, die grenzenlose Dankbarkeit für das, was wir jetzt haben, das, was mich „all das schaffen lässt“. 

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7 Kommentare

  • Reply Melissa 4. Mai 2018 at 18:19

    Liebe yavi, ich lese deine Texte einfach so so gerne. Dein Buch war mit Abstand die beste Biografie die ich je gelesen habe. (in einer Nacht , trotz meines kleinen Frühaufsteher )
    Danke für deine Ehrlichkeit, Natürlichkeit und den Einblick in deinen privaten Alltag! Das mit dem imaginären Hammer ist echt ein guter Tipp!

  • Reply Nicole_von_b 4. Mai 2018 at 19:43

    Danke für diesen Beitrag! ich frage mich immer, wie andere Mütter ihren Alltag schaffen? Und warum ich es nicht schaffe? Ich glaube, ich muss mir wirklich deinen Satz: chill mal Mutti! hinter die Ohren schreiben nein wirklich das ist jetzt kein Scherz, ich werde mir diesen Satz an meinen Kühlschrank hängen! Und wenn ich jetzt so darüber nachdenke dann will ich immer zu viel schaffen am Tag und stolpere über mich selber. Dein Beitrag hilft mir jetzt schon zu reflektieren was in meinem Alltag falsch läuft. Das mit der To do Liste finde ich auch gut und das wird mir bestimmt helfen. Noch wichtiger finde ich deinen Satz: alles andere kann warten! Die Zeit mit den Kindern ist so wertvoll und Zeit die verstrichen ist kann mir keiner wiedergegeben. Ich werde noch mal in mich gehen müssen und an mir arbeiten müssen. Ich bin zwar eine chaotische aber liebe meine Kinder auch so sehr. Ich danke dir echt für diesen Beitrag. Andere Mütter reden vielleicht nicht über ihren Alltag aber du machst es. Und das hilft mir unglaublich weiter. Du bist einfach eine wundervolle Mutter und Ehefrau!

  • Reply Chonticha Sawadee-Ceylan 4. Mai 2018 at 21:26

    Hallo Yavi,

    Vielen Dank für den Einblick in eure kleine tolle Welt! Man fragt sich als Mutter ja oft, wie läuft das bei anderen ab, wie funktioniert da der Alltag. Und dann entdeckt man, das es bei den meisten fast der gleiche Ablauf ist

    Lg
    Chonti

  • Reply Natalia 5. Mai 2018 at 6:26

    Hey danke fuer deinen coolen Beitrag! Sehr lesenswert. Bald bin ich Zweifachmutter von 2.5 jaehrigem Jungen und einem Maedchen. Mamasein ist nicht einfach wichtig ist es eine Balance zu finden. LG Natalia

  • Reply Sabrina 5. Mai 2018 at 14:05

    Ich habe mir diesen Beitrag sehr gerne durchgelesen 🙂 Danke dafür.

  • Reply Antonina 8. Mai 2018 at 11:40

    Danke für den tollen Beitrag! Ich bin vor kurzem Mutter von einem süßen Jungen geworden und ich fand die erste Zeit der Umstellung sehr herausfordernd. Meine Freiheit zu verlieren, dies zu tun, was ich will, und vor allem mein Schlaf, fiel mir besonders schwer.
    Was ich super schwer fand ist auch Stillkleidung zu finden und Sport mit dem riesen Busen zu treiben. Was hast du zum Stillen angezogen?
    Danke und liebe Grüße,
    Antonina

  • Reply Ingrid 22. Juni 2018 at 7:15

    Danke für deine Motivation und Ehrlichkeit
    Ich mache mir auch immer eine To-Do-Liste – hier hab ich auch tägliche To-Do’s wie Betten machen, Katzennäpfe füllen usw. Es ist so schön motivierend wenn man was abhaken kann, auch wenn es nur Kleinigkeiten sind

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