Mama

WUNDER-voll: Ich bin schwanger!

5. März 2017
Familienfoto Babybauch

„Engel, guck mal kurz – ist das ein Strich oder ist das Ding vielleicht kaputt?“, sage ich zu meinem Mann, der gerade im Büro Papierkram erledigt. Es ist der 1.1.2017, Lias schläft schon. Ich hatte zuvor auf so nen billigen Schwangerschaftstest gepinkelt, von dem ich zwei Stück beim Ausmisten für den Umzug in zwei Wochen gefunden hatte. Ich hatte zwischen dem Pinkeln und Nachschauen noch Teewasser aufgesetzt, die Spülmaschine angeschmissen und ein paar Whatsapp-Nachrichten beantwortet. Zurück im Bad sah ich diesen kaum sichtbaren zweiten Streifen, überlegte kurz und ging dann schnurstracks zu meinem Mann, der nichts von der Aktion wusste. Er schaut auf das Display, dann in mein Gesicht. Er sagt:

„Ein Strich ist ein Strich.“

Und wir lachen uns an. 

Doch schnell kam in mir die alte Skeptikerin hoch. Es war unmöglich, dass ich tatsächlich schon schwanger sein konnte. So viel Glück wie damals bei Lias, bei meiner Vorgeschichte, konnten wir nicht nochmals haben. Ich sagte also „lass uns abwarten“ und „wir dürfen uns nicht zu früh freuen“ und „ich muss googlen“ und das tat ich dann auch. Ungefähr eine Stunde lang. „Zweiter Strich hellrosa“ und „kann ein Schwangerschaftstest kaputt sein“ und so ein Zeug. Und immer wieder fand ich in den vielen Foren einen Satz, mit dem mir mein weiser Mann schon Mut gemacht hatte: „Ein Strich ist ein Strich.“ 

Ich machte 2 Tage später den zweiten Test. Blasser Strich Nummer 2. Ich fuhr einige Tage später in die Drogerie und holte einen digitalen Test, ich konnte keine Striche mehr sehen. Wir machten ihn zusammen und starrten auf das Display. Bis dort stand:

Pregnant 1-2

Ich habe tatsächlich einen Strich in mir. Hellrosa oder nicht, er ist da. Ich bin schwanger. Seit 1-2 Wochen.

Hurra ich bin schwanger

WUNDER-voll

Ein Wunder, das geplant war. Dennoch überraschte. Wie viele von euch wissen, kann ich auf natürlichem Wege keine Kinder bekommen, da mein Körper nicht (mehr) darauf programmiert ist. Ich produziere kein Östrogen, habe keine Follikel-Produktion und meine Schleimhaut baut sich nicht auf, sodass nicht nur die Menstruation ausbleibt, sondern auch kein Nährboden für eine Befruchtung gegeben ist – darüber habe ich schon geschrieben. Zudem habe ich eine Schilddrüsen-Unterfunktion. Und ich habe auch darüber geschrieben, dass wir nun einen erneuten Kinderwunsch haben und was ich tue, damit er in Erfüllung geht (hier könnt ihr den Beitrag lesen).

Ich habe sehr viel dafür getan. In erster Linie habe ich mit der Hormontherapie begonnen, die mir schon Lias geschenkt hatte. Ich wusste, dass sie wieder hart werden würde. Diese Pillen hauen mich um, manchmal so sehr, dass ich nicht mehr ich selbst bin – traurig, depressiv, lustlos, dauerhaft müde, negativ. Ich hasste mich. Mein Mann auch, auch, wenn er’s nie zugab. Aber wir wussten, dass diese Hormone unsere Chancen auf Kinder waren. Also zogen wir’s durch – gemeinsam. 

Aber nur 3 Monate. Schon bei Lias hatte ich gesagt, dass ich nach 3 Monaten raus bin, da ich diesen physischen sowie psychischen Zustand dauerhaft nicht ertrage. Abgesehen davon ist es eh nicht ratsam, diese Östrogen-Schleudern über einen längeren Zeitraum zu schlucken. Also beendete ich bei beiden Kindern die Therapie nach 3 Monaten und konzentrierte mich von da an ganz natürlich auf mich, meinen Körper, meinen Geist, mein Wohlergehen. Auf Genuss, Liebe, Lust, Freude. 

Ende August nahm ich die letzte Pille und schrieb eine Liste für Dezember. Sie sah ungefähr so aus:

Essen – so viel und was ich möchte! (schließlich musste ich über die vergangenen Monate auch wieder zunehmen, damit mein Körperfettanteil stieg)

Meditation – jeden Abend!

Sport wie immer – aber nicht übertreiben! 

Weniger arbeiten – und auch mal NEIN sagen!  

Weihnachten bei meinen Schwiegereltern – kein Stress für mich! 

Viel Zeit mit meinen beiden Männern – mit freiem Kopf und ohne Angst, etwas (im Job) zu verpassen!
Auch einfach mal ruhen und dafür das Sofa und die Wanne nutzen – Füße hochlegen / Abtauchen nicht vergessen! 

Positiv denken – egal wie stressig und nervig die Umzugsvorbereitungen von Schottland nach Deutschland sind

Freunde treffen und schöne Dinge machen – nicht zurück zur Arbeit hetzen! 

Schon einige Tage nach Beendigung der Therapie und nach Start meines neuen „Ich-Programms“ ging es mir viel, viel besser. Mein Körper fühlte sich wieder gesund an, ich hatte meinen Geist wieder in meinem Besitz, ich empfand wieder Freude, Leichtigkeit und Genuss. Und alles war irgendwie … entspannter. Ein toller Monat. 

Hurra ich bin schwanger

Der Monat, in dem unser zweites Kind gezeugt wurde und sein neues Zuhause offenbar so gern mochte, dass es nicht wieder auszog. Ich hatte, wie beim Lias, so große Angst vor einer Fehlgeburt. Ich hatte nicht lange zuvor eine erlebt und wollte diesen Schmerz des Verlustes und der Enttäuschung nicht nochmal erleben. Lange Zeit wussten wir nicht, ob das Baby ok war, da in Schottland keine frauenärztliche Untersuchung möglich war. Zum einen, weil schwangere Frauen dort nicht von Ärzten, sondern Hebammen betreut werden, zum anderen, weil das Erstgespräch mit der Hebamme immer erst in der 8. Woche stattfindet.

Und da waren wir schon seit einigen Tagen in Essen. Ich hatte mir zuvor eine Frauenärztin online herausgesucht und mit ihr einen Termin vereinbart. Mein Mann war erstmals dabei, als die Ärztin in mich hineinschaute, er hatte die Vorsorge bei Lias nämlich komplett verpasst. Er arbeitete und ich flog für die meisten Untersuchungen nach Düsseldorf. Nun durften wir zusammen erleben, wie das Herzchen unseres zweiten Wunders schlug. Und es war überwältigend, so, wie beim ersten Mal.

Ja, dem Baby geht es gut. Uns geht es gut. Verdammt gut. 

Hurra ich bin schwanger

Grow wonderful things!  – Karte von Hallo Bliss

Beim Erstsemester-Screening in 12+0 Woche war unser Baby knapp 5 cm groß, hatte Arme und Beine und ein schlagendes Herz. Und das Wichtigste: Seine Nackenfalte war unauffällig, was damals bei Lias nicht der Fall war. Lias wurde damals als „High Risk“ bzgl. Down Syndrom eingestuft und wir ließen einen DNA-Test machen, um herauszufinden, ob bei Lias eine Trisomie vorlag. 

Was Lias und sein Geschwisterkind also bislang gemeinsam haben, ist nicht nur die Vollständigkeit eines menschlichen Körpers, sondern ihre Entstehungsgeschichte. Beiden ging die gleiche dreimonatige Hormontherapie voraus und das zur gleichen Zeit (September – November), beide wurden zum ungefähr gleichen Zeitpunkt im Dezember gezeugt, bei beiden hatte ich mich auf mich und meine Gesundheit konzentriert und meinen Lebensstil dem Kinderwunsch angepasst, aber so, dass ich trotzdem nicht verbissen an das Projekt heranging, sondern einen freien Kopf behielt, bei beiden war sehr viel Liebe und Zuversicht im Spiel und auch sehr viel leckeres Essen. Eine vollständige Balance von Geist und Körper, Arbeit und Freizeit, Mann und Lias. 

Und nun möchte ich einige Fragen beantworten, die mir seit dem Outing vor einigen Tagen geschickt wurden:

War es geplant? 

Na aber so was von!

Wann ist der ET?

Errechnet ist der 11. September 2017. Lias war am 6. September 2015 errechnet, kam aber schon am 28. August 2015 durch einen Not-Kaiserschnitt nach dem sehr langen Versuch, ihn auf natürlichem Weg zu gebähren (den Geburtsbericht gibt’s hier). Vermutlich wird auch dieses Baby ein Augustbaby, da es höchstwahrscheinlich wieder ein Kaiserschnitt werden wird. Ob und wieso werde ich an anderer Stelle und zu einem späteren Zeitpunkt erläutern.

Wird es ein Mädchen oder ein Junge? 

Das wissen wir noch nicht, bisher hatte sich das Baby ungünstig gezeigt. Ich tippe auf einen Jungen, mein Mann auf ein Mädchen. Was glaubt ihr? 

Musstest du kotzen? 

Nein, ich habe weder bei Lias noch bei dem jetzigen Baby unter der Schwangerschaftsübelkeit gelitten. Vor ca. 3 Wochen war mir mal einen ganzen Tag lang furchtbar übel, aber ich denke, es war die Thunfisch-Pizza vom Vortag…

Wie fühlst du dich? 

Ich fühle mich gut, hatte und habe aktuell nur ein ziemlich starkes Unterleibziehen, sehr schlechte Haut, einen furchtbaren Hunger / Appetit und eine unendliche Müdigkeit, die mich extrem einschränkt(e). Mittlerweile geht’s aber recht gut, bin nur ab 19h reif für die Tonne. Mein Mann würde eventuell noch ergänzen, dass ich etwas zickig bin, aber der hat einfach keine Ahnung… 😉 

Hast du jetzt einen größeren Bauch als vorher?

Oh ja! Schon in der 6. Woche war es schwierig, die kleine Kugel zu verstecken, weswegen ich es ab der 8. Woche schon denen sagte, die ich traf und die meinen Bauch sahen. Freunden, Klienten… Ich war ja schon bei Lias gigantisch, aber ich befürchte, dieser Babybauch wird alle Rekorde sprengen…

Hurra ich bin schwanger

10 Tage nach dem ersten positiven Schwangerschaftstest. Kaum zu glauben, dass das erst Woche 6 war! 

Machst du Sport?

Ja, ich habe durchgehend Sport gemacht, nur um den Umzug herum (Mitte Januar) hatte ich eine zweiwöchige Pause. Wie ich mein Training gestalte, werde ich natürlich noch mit euch teilen! Hab da einige tolle Ideen und Projekte am Start! 

Wie ernährst du dich? 

Ich gebe zu: Das ist eine kleine Baustelle, die etwas aus dem Ruder läuft. Dieser Bärenhunger und Appetit auf mit Käse Überbackenes (von Pizza über Aufläufe bis hin zu Cheeseburgern), Gewürzgurken (täglich 1 Glas, wie bei Lias damals), Sauerkraft, Rotkohl, Knäckebrot mit Avocado, Tomate und Frischkäse sowie Eiscreme ist so mächtig, dass selbst mein gesundheitsbewusstes Ich aufgibt. Natürlich achte ich dennoch auf einen guten Ausgleich und nehme viel Obst, Gemüse, gesunde Milchprodukte wie Quark sowie Ballaststoffe wie Haferflocken zu mir, aber diese…. Naturkräfte … nun ja. Ich bin halt schwanger 🙂 Aber auch zum Thema Ernährung in der Schwangerschaft werden Beiträge folgen. 

Hast du schon zugenommen, wenn ja, wie viel? 

Ich hatte bei Lias in der ersten Schwangerschaftshälfte das meiste Gewicht zugelegt und auch dieses Mal hatte ich nach 12 Wochen 3kg mehr auf den Hüften. Ich heiße jedes einzelne herzlich willkommen, solange mein Baby sein Zuhause mag. 

Welche Hormone hast du genommen?

Ich nahm Progynova, ein Wechseljahre-Hormon, das die Aktivität der Eierstöcke, die Follikel-Bildung und den Aufbau der Schleimhaut fördern sollte. Es ist verschreibungspflichtig und speziell für Frauen in der Menopause oder bei den besagten körperlichen Problemen gedacht. Zusätzlich habe ich Mönchspfeffer eingenommen. 

Hattest du einen Ovulationstest gemacht? 

Ich hatte einige gemacht, allerdings hat mir kein einziger einen Eisprung angezeigt. Sie sind also nicht besonders verlässlich.

Bereitet ihr Lias auf das Geschwisterkind vor und wenn ja, wie? 

Ganz häufig nehmen wir ihn zu uns und streicheln gemeinsam meinen Bauch, während wir “Baby” sagen. Manchmal bekommt der Bauch dann Küsschen, manchmal nen Schlag mitten in die Mitte. Und manchmal ruft er auch nur “Baby”, lacht und rennt weg. Wir beziehen ihn also ein, so weit wir können, aber sein Verständnis und Interesse sind minimal. Wer Tipps hat, wie so kleine Knirpse auf ein Geschwisterkind vorbereitet werden können, muss mir unbedingt schreiben! Spannendes Thema.

Endlich schwanger!

Wenn ihr noch weitere Fragen habt, dürft ihr sie mir gern stellen. Ich werde versuchen, regelmäßig Schwangerschafts-Updates zu geben. 

Und an dieser Stelle nochmal ein ganz, ganz großes DANKE! für all eure Glückwünsche unter meinem Instagram-Post und in privaten Nachrichten. Es ist ein wundervolles Gefühl, sein größtes Glück mit so vielen netten Menschen teilen zu dürfen. 

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24 Comments

  • Ulli 9. März 2017 at 13:56

    Toll, gratuliere ganz ganz herzlich!! Hast ja eine ganz ähnliche Geschichte wie ich hinter dir (auch die Geburtsgeschichte war ähnlich hab ich gelesen :-)) – im Endeffekt zählt nur, dass man ein gesundes Baby hat gell! Ich wünsch dir eine schöne Schwangerschaft!! lg Ulli

  • Patricia 7. März 2017 at 21:15

    Herzlichen Glückwunsch liebe Yavi 🙂 Du bist so eine sympathische, inspirierende Person und ich freue mich für euch mit 🙂
    Ich finde es faszinierend, wie unterschiedlich schwanger werden und schwanger sein verlaufen kann 😀 Wir haben selbst fast 1,5 Jahre an unserem kleinen Spatz “gearbeitet”. Wenn man versucht und versucht und es will einfach nicht, da macht man sich seine Gedanken, Frau wie Mann, ob alles ok ist. Letztendlich hat einfach das nicht daran “denken” und akzeptieren, dass es passiert, wenn es passiert, geholfen. Abschalten, an sich denken und Junior ist heute 15 Monate alt 🙂
    Alles Gute weiterhin!

  • Maymouna 6. März 2017 at 15:46

    Wunderbar.. ich bin sprachlos. Ich freue mich so sehr für euch, dass ihr jetzt schon zum 2.mal so viel glück hattet ! <3
    Ich wünsche euch alles alles Glück der Welt !!

    Lg May

    P.s Ich glaube es wird ein Mädchen .. eine mini Yavi 😉

  • Jazz 6. März 2017 at 15:14

    Du toller Mensch, IHR tollen Menschen, ihr habt das Beste nur verdient! Gratulation <3

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