Wahre Liebe ist kein Zufall (Gastbeitrag von Inga Hanka)

von mama moves
Frau am Strand

Inga Hanka ist Cappuccino Junkie und bekennender Vengaboys Fan. Sie glaubt fest daran, dass es an der Zeit ist #wahreliebe nicht mehr nur als Hashtag zu verwenden, sondern für sie loszugehen. Auf ihrem Blog und in ihrem Podcast motiviert sie ihre Leser und Höhrer dazu, den ganz eigenen Weg zur Liebe nicht nur zu suchen, sondern zu finden. In 1:1 Coachings und Workshops hilft sie dabei Antworten zu finden und Blockaden zu lösen, immer nach dem Motto: „Der beste Life-Coach für dein Leben bist du selbst.

Wahre Liebe ist kein Zufall – Wie ich mir meinen Traum von der Liebe erfüllte.

Es gibt Menschen, die haben für die Liebe ihr ganzes Leben verändert. Sie haben Jobs gekündigt, Städte oder gar Länder verlassen, sie haben alle Pläne über den Haufen geworfen, für ein Leben mit diesem einen Menschen von dem sie wussten: „Das ist es jetzt.“

Ich gehöre zu diesen Menschen. Ich habe meinen Job gekündigt, meinen Masterabschluss an den Nagel gehängt und bin aus der Großstadt zurückgezogen in mein Heimatdorf – für die Liebe. Der Unterschied ist: Ich sollte den Menschen in den ich mich verlieben würde erst Jahre später kennenlernen.

Ich war Dauersingle, mein Liebesleben war noch niemals etwas anderes als eine einzige Katastrophe gewesen, dabei träumte ich von der wahren Liebe seit ich denken konnte. Während meine Freunde Karrierepläne schmiedeten oder Weltreisen planten, wünschte ich mir nichts als endlich „den Einen“ zu treffen und dafür nahm ich trotzig in Kauf, dass ich meist ein mitleidiges Lächeln und ein „Hast du denn kein RICHTIGES Ziel?“ erntete, wenn ich davon erzählte.

Ich wollte eine Liebe erleben, wie ich sie aus Büchern und Filmen kannte, eine Liebe die Menschen dazu inspiriert Gedichte zu schreiben und Leben zu verändern und ich glaubte, ich müsse dazu lediglich den richtigen Mann treffen.

Vor lauter Suchen blind für das Finden geworden

Also traf ich – nicht den Richtigen, aber richtig oft den Falschen.

Ich verliebte mich grundsätzlich in Männer, die sich nicht für mich interessierten und jene die es taten, fand wiederum ich uninteressant. Ich hangelte mich von Abfuhr zu Abfuhr, fühlte mich abgewiesen, beschämt, grundverkehrt nur um mich hinterher wieder aufzurappeln und neu zu beginnen, frei nach dem Motto: „Er war nun einmal nicht der Richtige.“ Die Liebe war schließlich Schicksal oder Zufall, sie passierte „nebenbei“ und ganz sicher dann, wenn ich am wenigsten damit rechnete, das glaubte ich nicht nur, das las ich in Büchern, sah ich in Filmen und schrieb es in mein Tagebuch, wenn ich einmal mehr versuchte Liebeskummer zu betäuben. Die Liebe in meinem Leben stieg und fiel mit den Männern, die oft kamen und noch öfter gingen und nicht im Traum dachte ich daran, dass es an mir sein könnte dem Ganzen ein Ende zu bereiten, schließlich tat ich was man tun muss, um die Liebe zu finden. Oder?

Es war ein Donnerstag-Abend, als ich begann alles in Frage zu stellen, wofür ich jahrelang so vehement eingestanden war. Es war mein zweites Date mit Maik, wir hatten uns in seiner Studentenbude getroffen, es gab Spaghetti Bolognese aus der Dose, ein nacktes Teelicht auf einer weißen Tischdecke mit Lochstrickmuster und eine Unterhaltung, die man mit viel Wohlwollen als „mittelmäßig“ bezeichnen konnte. Ich lachte ein winziges bisschen zu laut über seine Witze, die keine hätten sein sollen und er starrte auf seine Hände während ich versuchte Muster in der Raufasertapete zu erkennen. Eine halbe Stunde später küsste er mich. Und während ich mich unwillkürlich fragte, wie es sein kann, dass sich Lippen hart wie Holz anfühlten, ließ ich mich küssen.

Maik war derjenige der diesen Kuss mit plötzlich mit einem „Das geht nicht“ rüde beendete und mich von sich stieß. Und ich war diejenige, der auf einmal klar wurde, wie Recht er hatte. So ging das nicht. Wie sollte ich die Liebe finden, wenn ich im Fieber meiner Suche nicht einmal wagte mir einzugestehen, wenn ich sie offensichtlich NICHT gefunden hatte? Vor lauter Suchen war ich blind für das Finden geworden.

„Vielleicht ist es ja dieses Mal die eine, die große Liebe“, hatte ich mir stets eingeredet, nicht so richtig absichtlich vielleicht, aber doch vorsätzlich genug, damit ich die Illusion stets aufrechterhalten konnte, bevor sie sich schleichend verabschiedete. Erst Maik machte mir an diesem Abend unmissverständlich klar, dass ich etwas verändern musste, wenn ich die Veränderung wollte und damit war er vielleicht überhaupt nicht der Falsche, sondern ganz im Gegenteil, der absolut Richtige, ganz genau wie all‘ die Maiks vor ihm, die mich mit der Nase drauf gestoßen hatten, was ich ums Verrecken nicht hatte erkennen wollen: Der einzige gemeinsame Nenner meines verkorksten Liebeslebens war niemand geringer als ich selbst.

Ich war diejenige, gefangen in einem gefühlten Teufelskreis aus denselben Erfahrungen und denselben schmerzhaften Gefühlen, die sich in Dauerschleife zu wiederholen schienen mit unterschiedlichen Protagonisten zwar, aber immer spielte ich selbst die Hauptrolle. Mit dieser Erkenntnis beschloss ich meine Maske abzulegen, die Suche aufzugeben und meinen Traum endlich von seinem hohen Ross auf den Boden der Tatsachen zu holen.

Zuerst beschloss ich keinen Mann mehr zu treffen, bevor ich nicht vollkommen sicher sein würde, dass ich mich so richtig verliebt hatte.

Dann kündigte ich meinen Job bei einer großen Frauenzeitschrift, weil ich keine Karriere machen, sondern die Liebe finden wollte.

Dann schmiss ich mein Masterstudium und tauschte mein WG- gegen mein Kinderzimmer, weil ich nicht studieren, sondern die Liebe finden wollte.

Meine Freunde erklärten mich für verrückt. Ich tat dasselbe.

Nun, da ich mir selbst die Möglichkeit nahm mich mit selbstgeschaffenen Illusionen zu betäuben, merkte ich wie viel Angst in mir steckte, wie viel Schmerz. Schon als Kind hatte ich erlebt wie es sich anfühlte, verlassen zu werden und plötzlich kamen Erlebnisse, Gefühle und Überzeugungen aus meinem tiefsten Inneren an die Oberfläche, die ich jahrelang in Schach gehalten hatte, indem ich sie den „falschen Männern“ in die Schuhe schob. Ich musste mir eingestehen, wie wenig ich an meinen eigenen Traum von der Liebe glaubte und dass ich es am Ende selbst war, die ihn geschickt sabotierte, um mich nie wieder dem Risiko auszusetzen verlassen zu werden. Langsam dämmerte es mir, dass die Liebe nicht damit beginnt den Richtigen zu finden. Die Liebe beginnt damit zu lieben.

Während meine Freunde also Karriere machten und mit dem Rucksack um die Welt tourten, saß ich in meinem Kinderzimmer und hielt Zwiesprache mit meinem inneren Kind. Ich machte Familienaufstellungen und ging zur Therapie. Ich verfluchte meine Entscheidung mindestens 96 Mal täglich, weil ich auch lieber in Thailand auf der Full-Moon Party getanzt hätte, aber unterm Strich hatte ich einen Kompass, der mir den Weg wies: Unterm Strich fühlte es sich richtig an. Es war verdammt hart und schmerzhaft und beängstigend, aber es war die richtige Art von hart und schmerzhaft und beängstigend, jene die mich nicht suchen, sondern finden ließ. Jene, die mich zwang loszulassen, mich einzulassen auf nichts weniger als die Liebe – und zwar bevor ich sie gefunden hatte.

Ich lernte in dieser Zeit etwas, von dem ich immer geglaubt hatte, es bravourös zu beherrschen, dabei war mir gar nicht aufgefallen wie sehr mir diese Fähigkeit abhandengekommen war, seit sie mir in die Wiege gelegt wurde: Ich lernte zu lieben.

Nicht nur einen anderen Menschen, sondern zuerst einmal mich selbst. Denn indem ich all‘ die Maiks und mit ihnen meine fixen Ideen davon was ich DACHTE was ich tun SOLLTE aus meinem Leben verbannte, stellte ich mich gleichzeitig meiner größten Angst: Was, wenn es tatsächlich auf dieser Welt niemanden gab, der mich liebte?

Der richtigste Richtige 

Ich stellte mich der Angst, nicht liebenswert zu sein und mit ihr all dem Schmerz, der damit einherging und den ich im Laufe meines Lebens aufgesogen hatte wie ein Schwamm, den es nun Stück für Stück auszuwringen galt, damit er wieder leicht und fluffig werden konnte. Und während ich wrang, spürte ich wie mein Leben begann sich zu verändern, ganz langsam nur, aber immerhin schnell genug, dass ich nicht aufgab. Zumindest nie sehr lange.

Dann traf ich Franz. Es gab keine Dates und keine „Guten-Morgen-Nachrichten“, wie ich es mir immer vorgestellt hatte. Es gab Abende in Kneipen, die sich nach kribbelnder Vorfreude anfühlten und seine Hilfe beim Renovieren als ich in eine neue Wohnung zog.

Es gab kein verstohlenes Händchenhalten, keine Komplimente oder Blumen, von denen ich immer geglaubt hatte, sie seien romantisch. Es gab ein Gefühl, dass zugleich aufregend und sicher war, eine Verbindung zwischen uns, die ich niemandem zu erzählen wagte, aus Angst sie zu zerstören und die trotzdem für jeden offensichtlich war.

Es gab keine Fragen mehr, es gab nur noch eine Antwort: „Das ist es.“

Ich küsste ihn eines Abends, weil es schlicht keine andere Möglichkeit gab, als ihn zu küssen. Es war der richtigste Kuss meines Lebens.

Happy End ohne Ende 

Franz war der richtigste Richtige, den ich mir nur vorstellen konnte. „Ich habe mich noch niemals so verliebt wie in dich“, murmelte ich irgendwann im Sommer in seine Halsbeuge, nachdem ich einmal tief Luft geholt hatte. „Ich liebe dich auch“, antwortete er. Zwei Jahre später heirateten wir. In meinem Eheversprechen sagte ich zu ihm: „Das einzige, was du von mir erwartest, ist, dass ich ich selbst bin.“ Daran hat sich bis heute nichts geändert, auch wenn ich diese Tatsache manchmal verfluche, weil sie mich zwingt zu erkennen, dass der Weg leider Gottes wirklich das Ziel ist und dass es immer irgendwo noch ein bisschen mehr von mir selbst zu entdecken gibt, den ein oder anderen Schwamm zu wringen oder blinden Fleck zu erforschen.

Ich habe immer geglaubt, der Weg zu Liebe würde für mich eines Tages mit dem richtigen Mann enden. Heute weiß ich: Er endet niemals.

Franz und ich leben keinesfalls in einem immerwährenden Happy End von uns hin, wir streiten uns recht häufig, finden den jeweils anderen zuweilen wirklich seltsam und stoßen uns mit der Nase auf unsere blinden Flecken – aber wir stehen uns auch zur Seite, wenn wir sie erkunden. Als ich ihn fragte, warum er mich geheiratet hat, antwortete er letztens mit einem Schulterzucken: „Weil ich mir sicher bin, dass wir uns unser ganzes Leben lang auf Augenhöhe challengen werden.“ Ich boxte ihm für diese Antwort in die Seite. Vielleicht aber hätte ich ihn lieber küssen sollen.

Früher glaubte ich die Liebe sei dazu da romantisch zu sein, mich glücklich zu machen, dafür zu sorgen, dass ich mich sicher und geliebt fühle und dazu, jemanden zu haben den ich küssen kann, wann ich will.

Heute finde ich, die Liebe ist die Herausforderung, wirklich ich selbst zu sein, es zu werden, wo ich es noch nicht bin, hervorzuholen, was fehlt und loszulassen, was stört. Und natürlich ist sie dazu da, jemanden zu haben den ich küssen will, wann immer ich kann.

Die Liebe ist für mich die schönste Aufforderung zur Wahrhaftigkeit, die es auf dieser Welt gibt. Der Weg zu ihr kann zuweilen hart und schmerzhaft und beängstigend sein, aber es ist die richtige Art von hart und schmerzhaft und beängstigend.

Ich habe mittlerweile verstanden, dass das einzige grundverkehrte an mir die Annahme war, ich sei grundverkehrt. Ich habe verstanden, dass ich nicht das Problem war, sondern, dass ich lediglich eines hatte. Und ich habe verstanden, dass die Liebe weder Schicksal noch Zufall ist und auch kein Happy End. Die Liebe ist vielmehr das perfekte Spiegelbild unserer inneren Welt. Sie ist der Wegweiser auf der Suche, nach dem was uns im Kern ausmacht und das, was übrig bleibt, wenn wir alle Ängste loslassen. Und wenn wir das tun – dann kann sie alles werden, was wir uns je von ihr erträumt haben.

Ich weiß das, denn ich entscheide mich genau das zu tun. Jeden Tag aufs Neue. Ich entscheide mich zu lieben.

Wo ihr Inga findet:

Instagram: https://www.instagram.com/ingahanka/

Website: https://ingahanka.de/

Coaching buchen: https://ingahanka.de/coaching/

Workshop (bald wird es neue Termine geben): https://www.eventbrite.de/e/werde-zum-autor-deines-lebens-3-teiliger-workshop-7-14-21-marz-tickets-140630390283#

Podcast: https://ingahanka.de/podcast-liebe/

0 Kommentare

Das könnte dir auch gefallen

Schreibe einen Kommentar

This website uses cookies to improve your experience. We'll assume you're ok with this, but you can opt-out if you wish. Akzeptieren Weiterlesen